GPS & Marker

GPS-Position mitteln und nachvermessen

Mehrere frische GPS-Messwerte werden gefiltert, robust gewichtet und zu einer nachvollziehbar bewerteten Markerposition zusammengeführt.

Überblick

Warum mehrere Messwerte?

Ein einzelner GPS-Fix ist eine Momentaufnahme. Satellitengeometrie, Abschattung und Reflexionen können ihn verschieben. Eine Messreihe zeigt die Streuung und reduziert den Einfluss einzelner Ausreißer.

Normale Positionsanzeige

Für eine schnell verfügbare Kartenposition verarbeitet MapTools aktuelle GPS-, Netzwerk- und passive Android-Standorte. Ein höchstens 30 Sekunden alter letzter Standort kann den Start beschleunigen. Das ist keine statistische Vermessung.

Position mitteln

Die Messfunktion beginnt mit einer leeren Reihe und verwendet nur neue Fixes des Android-GPS-Providers. Alte, doppelte, ungültige oder zu ungenaue Werte werden verworfen.

Position nachvermessen

Ein vorhandener Marker kann in weiteren Sitzungen erneut gemessen werden. Neue Sitzung, kombiniertes Gesamtergebnis und Änderung der geschätzten Genauigkeit bleiben getrennt sichtbar.

Praxis

So läuft eine Messung ab

Die Messung endet erst, wenn Mindestdauer, Mindestzahl verwendbarer Fixes und Stabilitätskriterien gemeinsam erfüllt sind.

  1. Standort wählenAm zu erfassenden Punkt stehen bleiben, möglichst mit freier Sicht zum Himmel und Abstand zu stark reflektierenden Flächen.
  2. Messprofil wählenKurz, Standard oder Lang legt Mindestdauer, erforderliche Fixzahl und maximale Wartezeit fest.
  3. Ruhig messenMapTools sammelt frische GPS-Fixes, prüft Genauigkeit und Bewegung und zeigt den Fortschritt.
  4. Ergebnis prüfenVerwendete Fixes, gemeldete Genauigkeit, P68, P95, Zentrumstabilität und Qualitätsstufe machen die Datenbasis sichtbar.
  5. Marker speichernBei der Erstmessung entsteht ein Marker. Beim Nachvermessen entscheidet der Benutzer, ob das kombinierte Ergebnis angewendet wird.
ProfilMindestdauerMindestens verwendete FixesMaximale Dauer
Kurz15 s1030 s
Standard60 s3090 s
Lang180 s90300 s

Technik

Wie MapTools die Position berechnet

Das Verfahren ist kein einfaches Mittel aus Breiten- und Längengraden. Es arbeitet in einem lokalen metrischen System und verbindet Genauigkeitsgewichte mit robuster Statistik.

1. Eingangskontrolle

Verworfen werden ungültige Koordinaten oder Genauigkeiten, Fixes von vor dem Messbeginn, doppelte Zeitstempel und Werte mit einer gemeldeten horizontalen Genauigkeit über 25 m.

2. Stillstand prüfen

Bewegung liegt vor, wenn mindestens zwei der letzten drei Geschwindigkeiten über 1,2 m/s liegen. Zusätzlich werden bei mindestens zehn Fixes die Zentren der ersten und letzten fünf Werte verglichen. Grenze: max(6 m; 1,5 × Median-Genauigkeit).

3. In Meter umrechnen

WGS84-Koordinaten werden in erdfeste ECEF-Koordinaten und danach in eine lokale Ost-Nord-Ebene (ENU) umgerechnet. So werden Abstände und Gewichte korrekt in Metern berechnet.

4. Robustes Startzentrum

Die getrennten Mediane der Ost- und Nordwerte bilden den ersten Schätzwert. Für jeden Fix wird der radiale Abstand rᵢ zu diesem Zentrum bestimmt.

5. Ausreißer erkennen

MapTools berechnet MAD = Median(|rᵢ − Median(r)|). Ausreißergrenze: max(3 m; Median(r) + 3 × 1,4826 × MAD).

6. Nach Genauigkeit gewichten

Für den gemeldeten Radius aᵢ gilt wᵢ = 1 / max(aᵢ; 1 m)². Das Verhältnis zwischen stärkstem und schwächstem Grundgewicht ist auf 4:1 begrenzt.

7. Huber-Schätzung

Das Zentrum wird fünfmal aktualisiert. Innerhalb der Grenze bleibt das Zusatzgewicht 1, außerhalb wird es Grenze / Abstand. Die Grenze lautet max(1,5 m; 1,5 × 1,4826 × MAD).

8. Zurück nach WGS84

Das gewichtete ENU-Zentrum wird über ECEF wieder in Breite und Länge umgerechnet. Vorhandene Höhen werden per Median übernommen; die Qualitätsangaben bewerten nur die horizontale Position.

Ergebnis

P68, P95 und geschätzte Genauigkeit richtig lesen

Die Werte beantworten unterschiedliche Fragen und dürfen nicht miteinander verwechselt werden.

AnzeigeBerechnungBedeutung
Median der gemeldeten GenauigkeitMedian der von Android gemeldeten horizontalen GenauigkeitsradienSelbsteinschätzung des Providers. Android beschreibt den Radius grundsätzlich als Schätzung mit ungefähr 68 % Wahrscheinlichkeit für den jeweiligen Fix.
P68-Streuung68. Perzentil der Abstände zum robusten ZentrumEtwa 68 % der beobachteten Fixabstände sind kleiner oder gleich diesem Wert.
P95-Streuung95. Perzentil der Abstände zum robusten ZentrumEtwa 95 % der beobachteten Fixabstände sind kleiner oder gleich diesem Wert. P95 = 4,2 m bedeutet, dass rund 95 % der ausgewerteten Fixes höchstens ungefähr 4,2 m vom Zentrum entfernt lagen.
ZentrumstabilitätAbstand zwischen den robusten Zentren des ersten und letzten DrittelsStabil ist eine Reihe bei höchstens max(3 m; 0,75 × Median-Genauigkeit) und P95 ≤ 25 m.
Geschätzter Genauigkeitsradiusmax(kombinierte P95; Median der gemeldeten Sitzungsgenauigkeiten)MapTools verwendet den ungünstigeren Wert, damit eine enge Punktwolke die Geräteunsicherheit nicht überstimmt.

Perzentilberechnung

Die radialen Abstände werden sortiert. Bei n Werten liegt die Position bei p × (n − 1), für P68 mit p = 0,68, für P95 mit p = 0,95. Zwischen zwei Einträgen wird linear interpoliert.

Wichtig zur Interpretation

P95 ist die beobachtete Streuung, kein garantierter 95-%-Vertrauensradius der wahren Position. Eine enge Punktwolke kann gemeinsam verschoben sein. Ohne unabhängigen Referenzpunkt ist absolute Richtigkeit nicht bewiesen.

Bewertung

Qualitätsstufen und Genauigkeitsvergleich

Die Qualitätsstufe basiert auf dem geschätzten Radius. Mehrere zeitlich unabhängige Messfenster erhöhen die Aussagekraft.

QualitätGeschätzter Radius
Hoch≤ 5 m
Gut> 5 m / ≤ 10 m
Ausreichend> 10 m / ≤ 20 m
Schwach> 20 m

Eine Sitzung

Für die kombinierte Gesamtbewertung vergibt MapTools die höchste Stufe erst ab zwei unabhängigen Zeitfenstern. Eine einzelne Sitzung wird höchstens als Gut bewertet.

Verbessert oder verschlechtert?

Als unverändert gilt eine Differenz innerhalb max(0,1 m; 1 % des bisherigen Radius). Größere Änderungen werden mit Betrag und Prozentwert ausgewiesen.

Keine Scheingenauigkeit

Viele Koordinaten-Nachkommastellen bedeuten keine entsprechende Messgenauigkeit. Entscheidend sind Radius, Streuung, Stabilität, Umgebung und unabhängige Zeitfenster.

Mehrere Messreihen

Zeitlich versetztes Nachvermessen

Getrennte Messreihen können andere Satellitenkonstellationen und Empfangssituationen erfassen und Effekte einer einzelnen Sitzung sichtbar machen.

90-Minuten-Fenster

Beginnt eine Sitzung weniger als 90 Minuten nach Beginn des aktuellen Fensters, zählt sie zum selben Fenster. Danach beginnt ein neues. Ein Marker kann bis zu 32 Sitzungen führen.

Zweistufige Kombination

Zuerst werden Sitzungen je Fenster robust zusammengeführt, dann die Fensterzentren. Ab drei Fenstern greift auch dort die Ausreißererkennung. Sitzungszentren verwenden mindestens den größeren Wert aus P68 und medianer Gerätegenauigkeit.

Fachlicher Bezug

Garmin empfiehlt für sorgfältige Wegpunktmittelung vier bis acht Stichproben mit mindestens 90 Minuten Abstand. MapTools übernimmt den Gedanken verschiedener Satellitenkonstellationen, verwendet aber ein eigenes Verfahren und ist nicht von Garmin zertifiziert.

AktionWas gespeichert wirdMarkerposition
Speichern und Position anwendenDie neue Sitzung wird der Historie hinzugefügt.Der Marker erhält das robuste kombinierte Ergebnis aller Sitzungen.
Speichern, ohne Position anzuwendenSitzung und kombiniertes Ergebnis bleiben gespeichert.Die sichtbare Markerposition bleibt unverändert.
Messergebnis verwerfenDie neue Sitzung wird nicht gespeichert.Position und bisherige Historie bleiben unverändert.

Keine Schnellaktion nur für die letzte Sitzung

Wer das kombinierte Ergebnis anwendet, nutzt alle gespeicherten Sitzungen. Alternativ kann die neue Sitzung nur dokumentiert oder vollständig verworfen werden.

Einordnung

Grenzen, Datenschutz und praktische Hinweise

Positionsmittelung verbessert die statistische Auswertung, ersetzt aber keine geeigneten Empfangsbedingungen oder unabhängige Kontrolle bei kritischen Aufgaben.

Geeignete Bedingungen

  • Freie Sicht zum Himmel bevorzugen.
  • Abstand zu Fassaden, Felswänden, dichtem Kronendach und Fahrzeugaufbauten halten.
  • Während einer Sitzung am Punkt bleiben.
  • Wichtige Marker später erneut messen.

Technische Grenzen

  • Mehrwegeempfang kann eine ganze Messreihe gemeinsam verschieben.
  • Die Android-Genauigkeit ist eine Geräteschätzung.
  • Die Höhe ist meist ungenauer und nicht Teil der horizontalen Qualitätsstufe.
  • Rechtlich relevante Vermessung kann geodätische Ausrüstung und festgelegte Verfahren erfordern.

Datenverarbeitung

Rohfixes werden während der Berechnung im Arbeitsspeicher verarbeitet. Dauerhaft gespeichert werden zusammengefasste Sitzungsdaten und Markerhistorie. Die Hintergrundmessung verwendet eine sichtbare Foreground-Service-Statusmeldung.

Quellen

Fachliche Quellen und Bezugspunkte

Die Quellen sind bewusst als Text angegeben. Sie ordnen Begriffe und Verfahren ein; Kombination und Parametrierung sind die Implementierung von ArxSilex MapTools. Stand: Juli 2026.

  • Garmin Customer Support: “Waypoint Averaging Information for Outdoor Handhelds”.
  • Garmin Support: “Waypoint Averaging on the Montana 700 Series”.
  • Android Developers: “Location API reference”, Location.getAccuracy().
  • Esri: “ArcGIS Field Maps, Configure the map”, “GPS averaging”.
  • Esri: “ArcGIS Field Maps, Capture”, “GPS averaging”.
  • NIST/SEMATECH: “e-Handbook of Statistical Methods”, Measures of Scale, Detection of Outliers and Percentiles.
  • Peter J. Huber: “Robust Estimation of a Location Parameter”, The Annals of Mathematical Statistics, volume 35, issue 1, 1964, pages 73–101.
  • National Geospatial-Intelligence Agency: “Department of Defense World Geodetic System 1984, Its Definition and Relationships with Local Geodetic Systems”, NGA.STND.0036.

Handbuch

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